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Seminar-Blog

In loser Reihenfolge wollen wir Einblicke nicht nur ins Seminar-Leben, sondern auch in andere Institutionen der Bildungslandschaft geben. Dabei werden unterschiedlichste Stimmen gehört und verschiedenste Standpunkte eingenommen.

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Blog-Eintrag Nummer 2, 29.11.2023

Hey teachers don´t leave the kids alone – neue Lehrer/innen braucht das Land

Sommer 2023. An deutschen Schulen herrscht Lehrermangel. Schulleiter streichen Förderkurse oder gleich den ganzen Unterricht in Kunst, Sport oder Physik in einzelnen Klassen. Auch der Blick in die Hochschulen bietet keinen Anlass für Entwarnung: Zu wenige junge Leute entscheiden sich für ein Lehramtsstudium und schließen es dann auch ab. Der Beruf hat offensichtlich an Attraktivität eingebüßt. Zu Recht? Wir haben Menschen an den unterschiedlichsten Stationen ihres (Lehrer-)Lebens gefragt: „Was heißt es für Sie, Lehrer/in zu sein bzw. Lehrer/in zu werden? Was motiviert, was stört, was nervt, was erfüllt Sie?“ 

Das geschah durchaus mit der Motivation zu ergründen, warum es sich auch heute noch lohnt, Lehrer/in zu werden. Hier sind ihre ganz subjektiven Antworten. 

Meinungen

Julia, seit 24 Jahren Lehrerin
Auch nach etlichen Berufsjahren gehe ich immer noch jeden Tag gerne in die Schule.
Oft denke ich, dass es ein Privileg ist, Lehrerin sein zu dürfen.
Warum?
Weil ich mit jungen Menschen zusammenarbeiten und sie so auf ihrem Weg zum Erwachsensein begleiten darf. Das gibt dem täglichen Tun einen Sinn. Weil der Lehrerberuf und die Schule einen großen Einfluss auf unsere Kinder und Jugendliche haben, die unsere Gesellschaft prägen werden. Weil ich in diesem Beruf selbst lebenslang lernen darf. Und weil es im Schulleben nie langweilig wird! Denn kein Tag in der Schule gleicht dem anderen.
Natürlich ist der Beruf auch manchmal anstrengend, aber es lohnt sich!
 
Larissa A., Lehrerin im 1. Jahr
 
Lehrer/in sein heißt für mich die Schüler für die eigenen Fächer zu begeistern und sie bei ihren Stärken zu fördern und bei ihren Schwächen zu unterstützen. Dabei sollte man starke Nerven und ein gewisses Durchsetzungsvermögen besitzen. Ein Kraftakt war es sich die nötige Autorität zu erarbeiten, Regeln konsequent durchzusetzen und sich dabei selbst treu zu bleiben. Schüler merken es, ob man sich verstellt und nicht authentisch ist. Dass die Planung oft einem flexiblen, spontanen Agieren weichen muss, wurde mir im ersten Jahr vor Augen geführt.  Daher lohnt es sich, sich häufiger individuell auf gewisse Situationen einzulassen, anstatt stur den eigenen Fahrplan zu verfolgen. Nicht nur die Arbeit mit jungen Menschen, sondern auch die Zusammenarbeit mit Kollegen macht sehr viel Spaß. Die stressigen 18 Monate im Referendariat lohnen sich. Danach ist es ein neues Ankommen an der Schule. Man ist nicht mehr nur "Zaungast", sondern mittendrin im Geschehen - wird gefordert und fühlt sich als Teil des Kollegiums. Für mich ist Lehrersein ein schöner und erfüllender Beruf, bei dem sich die Arbeit im Klassenzimmer ausbezahlt. Denn wo sonst, nehmen die Schüler kein Blatt vor den Mund und geben ein direktes und unverblümtes Feedback?


Max, Pensionär
Früher herrschte an den Schulen noch Zucht und Ordnung. Das fand ich furchtbar. Als Lehrer wollte ich es anders machen. Zum Glück hielt Anfang der 70er ein neuer Geist Einzug. In den Lehrerzimmern wurde geraucht und hitzig über gesellschaftliche Themen diskutiert. Auch wir Männer haben gestrickt. Für eine gleichere, demokratischere und freiere Gesellschaft waren die Schulen der Schlüssel – und sind es auch heute noch.
 
Führungskraft, seit 8 Jahren im Ruhestand
Nach einem harten Referendariat habe ich den Beruf des Lehrers vom ersten Tag an sehr gerne ausgeübt. Ich habe immer darauf geachtet meine Schülerinnen und Schüler mitzunehmen und ihnen verdeutlicht, dass ihr Lernerfolg mir sehr wichtig ist. So hatte ich immer ein gutes Verhältnis zu meinen Klassen. Eine langjährige Arbeit als Verbindungslehrer hat mich der Schülerschaft und auch den Kolleginnen und Kollegen nähergebracht. Mit den Schülerinnen und Schülern zusammen Theater zu spielen war eine weitere wichtige Erfahrung. All dies war eine wichtige Vorbereitung für die Arbeit als Lehrbeauftragter am Seminar. Dort hatte ich das Glück unter anderem eine ehemalige Schülerin auszubilden, die nach dem Referendariat mit Freude Lehrerin geworden ist. Es ging mir immer darum engagiert zu unterrichten und eine positive Atmosphäre zu schaffen. So ist es mir gelungen bei guter Gesundheit in den Ruhestand einzutreten, den ich inzwischen im achten Jahr immer noch genieße.
Ich habe den Lehrerberuf als sehr erfüllend erfahren. Das zeigt sich auch darin, dass ich noch heute guten Kontakt zu meinen ehemaligen Schülerinnen und Schülern sowie zu meinen Referendarinnen und Referendaren habe.
 
Laura (kroatische Studentin Uni Zagreb, Lehramt Deutsch)
Eigentlich wollte ich nie Lehrerin werden. Mein Bruder sagte immer, dass Lehrer*innen dumm sind. Aber durch meine Ausbildung hat sich meine Meinung geändert.
Ich hatte Lehrer*innen, die kein Interesse am Lehren oder an Kindern hatten; die in den Unterricht kamen und nicht bereit für die Stunde waren. Die Schüler hatten dann meistens schlechte Noten.
Ich will eine Lehrerin werden, weil ich den Schülern zurückgeben will, was sie mir geben – Motivation.

Mirela (kroatische Dozentin für Deutsch/Didaktik, Uni Zagreb)
Lehrer/innen haben es in der heutigen, schnelllebigen, digitalisierten Welt nicht leicht. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die künstliche Intelligenz nie einen Lehrer / eine Lehrerin ersetzen kann. Es gibt nichts Schöneres, als jemandem eine Sprache beizubringen. Dieses Gefühl können unseren Lernenden keine Apps vermitteln.

Timo, Gemeinschaftsschullehrer
Ich bin noch immer gerne Lehrer, merke aber auch schon die zehrenden Jahre der Vergangenheit.
Was ich aber immer weniger aushalte, ist diese unflexible Administration, die all das nicht zu erfüllen vermag, was wir den Schülerinnen und Schülern beizubringen versuchen: Innovation, Kreativität, Zielstrebigkeit oder auch Reflexion. Mein Gemütszustand schwankt folglich oft zwischen Frustration und Resignation; Aufbruch verspüre ich eher selten. Warum wird eigentlich das nicht evaluiert?
Außerdem - und das ist eben mein Lebenslauf - verzweifle ich an der unsäglichen Konkurrenz zwischen Gymnasium und Gemeinschaftsschule. Mein Appell: „Liebe Leut‘: Lernt voneinander und hört auf, euch gegenseitig und zudem öffentlich schlecht zu reden! Es geht nämlich nicht um euch, sondern um die Kinder!“
Manchmal muss ich innehalten, um zu wissen, dass der Lehrberuf noch immer mein Traumberuf ist.

Katrin, Religionslehrerin
Sicherlich ist es angesichts der anwachsenden Herausforderungen im Lehrberuf nicht leichter geworden, Lehrer/in zu sein. Zeit- und Leistungsdruck, vielfältige Verwaltungsarbeit und junge Menschen, die ganz anderen Einflüssen ausgesetzt sind als früher, bringen erhöhte Belastungen mit sich. Aber eben diesen jungen Menschen selbständiges Denken und Handeln zu vermitteln, ist eine wunderbare Aufgabe. Zu sehen, wie Schüler/innen über ihre Schulzeit hinweg heranwachsen und sie auf diesem Weg ins Erwachsensein zu begleiten, ist nach wie vor erfüllend. Angesichts der derzeitigen Krisen brauchen wir eine starke Jugend, die es lernt, sich kritisch und konstruktiv mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Sich als Teil dieses Prozesses zu verstehen, macht den Lehrberuf zu etwas ganz Besonderem.

Ulrike, Schulleiterin
Gerade komme ich vom 24-Stunden-Lauf für Kinderrechte in Karlsruhe. Unsere Schule nimmt wie viele andere seit Jahren daran teil. Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte treffen sich am Wochenende und setzen sich gemeinsam für andere ein - es sind solche Tage, die mir deutlich machen, wie schön es ist, als Lehrerin arbeiten zu dürfen. Sicher, der Beruf ist anstrengend, es gibt viele Zwänge und man kann nicht immer alles so gestalten, wie man gerne würde. Aber ich finde es erfüllend, junge Menschen ein paar Jahre ihres Lebens zu begleiten und ihnen fachlich und menschlich etwas mitzugeben - und gleichzeitig auch von ihnen zu lernen.

Birgit, Lehrerin und Lehrbeauftragte
In der Schule ist es manchmal laut, aber immer lebendig. Die Schülerinnen und Schüler sind voller Energie, nicht immer im Unterricht – aber oft in den Pausen.
Mir gefällt dieser Arbeitsplatz, ich arbeite gerne mit Schülerinnen und Schülern und freue mich, sie wachsen zu sehen: äußerlich und innerlich – und in ihrem Potential, die vielfältigen Herausforderungen des Lebens zu bewältigen. 
Bei meiner Arbeit mit meinen Referendarinnen und Referendaren motiviert mich, meine Erfahrungen und Kenntnisse rund um das Thema „Schule und Unterricht“ weitergeben zu können, sodass ihnen hoffentlich hilfreiche Handlungsoptionen eröffnet werden. Natürlich werden sie ihren eigenen Weg als Lehrerinnen und Lehrer gehen – und der passt genau zur heutigen Zeit und Jugend – nicht nur im Hinblick auf ihren kenntnisreichen Umgang mit moderner Technik und Medien. So bleibt Schule lebendig.

Annette, psychologische Beratungsstelle
Lehrerin sein, Lehrerin werden
Schaue ich auf 40 Jahre Lehrerin sein zurück, staune ich, wie sehr sich unser Beruf verändert hat. Denn als ich Lehrerin wurde, lag der Schwerpunkt klar auf dem Unterrichten meiner Fächer Kunst und Deutsch. Dazu Klassenleitung, Konferenzen, hier und da ein Elterngespräch und Landschulheim. Gefühlt war’s das. Schaue ich heute, wie ich Lehrerin bin, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die Erwartung, die sich an uns in dieser Arbeit richtet, hat sich vollkommen verändert. Das beginnt bei den Kindern und Jugendlichen, die uns nicht selten als einzige stabile erwachsene Größe in ihrem Alltag erleben – ich jedenfalls habe als Schülerin nicht schon auf dem Flur gewartet, um mit der ankommenden Lehrerin zwei drei Minuten für ein privates Gespräch zu erhaschen. Das setzt sich fort mit Eltern, die Erziehung und Begleitung ihrer Kinder mit großer Selbstverständlichkeit in der Schule verorten und uns für weit mehr als schulische Bildung im engeren Sinne verantwortlich machen (wollen). Und es endet mit einer (Bildungs)Politik, die problematischen Entwicklungen innerhalb der jüngeren Generation fast reflexhaft in der Schule verortet und gelöst sehen will. Schluss aus meiner zunehmenden Überforderung (neben ewiger Neugier und Lust am Lernen…) war meine Weiterbildung zur Beratungslehrerin an der Schulpsychologischen Beratungsstelle in Freiburg. Seither dreht sich mein Leben weiterhin um Kunst und Deutsch, um Konferenz und Landschulheim und darüber hinaus um ganz viel Beratung: Erziehung und Leistungsdiagnostik, Schullaufbahnberatung und Lernen lernen, Prüfungsangst und Rechenschwäche, Selbstorganisation und was der Themen mehr sind. Das ganz mit einem Fuß in der Schule und mit einem als abgeordnete Lehrerin in der SPBS. In der Fülle aller Fragen, die das Erwachsen-Werden begleiten. So passt’s!


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